Artikel derm 2/2017 Seite 152

Titel:
Studie zur Abschätzung viraler Infektionsrisiken für Patienten bei der Anwendung des Fertigarzneimittels Hirudo verbana (medizinischer Blutegel)
Zusammenfassung:
Medizinische Blutegel sind Arzneimittel, deren virologische Sicherheit für den Patienten zu gewährleisten ist. Die Tiere können heute unter standardisierten Bedingungen gehalten und vermehrt werden. Lediglich die Fütterung mit Vertebratenblut bringt eine nicht standardisierbare Komponente in das Zuchtgeschehen ein. Selbst wenn die Spendertiere für das Fütterungsblut aus einer geschlossenen Herde stammen, lässt sich eine Kontamination des Bluts mit Viren und damit ein Kontakt von Viren mit den später behandelten Patienten nicht vollkommen ausschließen. Ziel der Studie war es daher nachzuweisen, wie rasch gegebenenfalls mit Fütterungsblut verabreichte Viren durch die mikrobielle Begleitflora im Egeldarm abgebaut werden, um dadurch die Sicherheit des Produkts sowie die Länge der notwendigen Quarantäne vor dem Einsatz des Arzneimittels am Patienten zu definieren. Für die Untersuchung wurden Bovines Virusdiarrhoe-Virus (BVDV), Reovirus und Murines Parvovirus verwendet. Die Viren wurden jeweils in einer Konzentration von 107 ID50/ml dem Fütterungsblut zugesetzt und die so gefütterten Tiere anschließend über einen Zeitraum von mindestens sieben Monaten gehalten. Unmittelbar nach dem Füttern sowie nach drei, 14 und 30 Tagen und danach monatlich bis zum 7. Monat wurden jeweils drei Tiere katheterisiert und der Darminhalt auf das jeweils verfütterte Prüfvirus mit Hilfe von permissiven Zellkulturen titriert. Der Titer von BVDV fiel bereits nach drei Monaten unter die Nachweisgrenze von 101 ID50/ml. Für Reovirus und Murines Parvovirus wurden vergleichbare Ergebnisse nach vier Monaten erzielt. Für keines der untersuchten Prüfviren konnten positive Virusbefunde zu späteren Untersuchungszeitpunkten gefunden werden, sodass individuelle Abweichungen bei der Inaktivierung der Prüfviren bei einzelnen Tieren auch später nicht zu erwarten sind. Die Ergebnisse zeigen, dass bei Verwendung von Vertebratenblut das Fertigarzneimittel »medizinischer Blutegel, Hirudo verbana« als virologisch sicher anzusehen ist, wenn die Tiere unter adäquaten Bedingungen, insbesondere bei 20 °C, gehalten werden und nach der letzten Fütterung eine Quarantänezeit von vier bis sechs Monaten eingehalten wird. Wichtig ist dabei eine artgerechte Haltung bei Raumtemperatur, die die mikrobiellen Abbau- und Verdauungsprozesse im Egeldarm unterstützt.
Zusammenfassung englisch:
The virological safety of medical leeches must be guaranteed for the pa-tient. The animals may be kept and reproduced under standardized conditions today. Only their feeding with vertebrate blood brings a non-standardized component in the breeding history. Even if the donor animals for the production of feeding blood come from a closed drove, contamination of blood with viruses and therefore a contact of viruses with the later treated patients can not be entirely ruled out. The aim of this study was to demonstrate how quickly optionally with feeding blood administered viruses are degraded by the microbial flora in the intestine of the leech and thereby to define the safety of the product and the length of necessary quarantine before use of the drug. For the investigation bovine diarrhea virus (BVDV), reovirus and murine parvovirus were used. The viruses were each added at a concentration of 107 ID50/ml to the feeding blood and the animals then held for a period of at least seven months. Immediately after feeding, after three, 14 and 30 days and monthly thereafter until the 7th month three animals were catheterized and the intestinal contents titrated to the respective test virus using permissive cell cultures. The titer of BVDV fell after three months under the detection limit of 101 ID50/ml. For reovirus and murine parvovirus comparable results were obtained after four months. For none of the examined test viruses virus positive findings were found at later time points, so that individual differences in the inactivation of the test viruses are not to be expected in some animals later. The results show that using vertebrate blood the finished product Hirudo verbana is regarded as virologically safe when the animals are kept under appropriate conditions, in particular at 20 °C and after the last feeding a quarantine period of four to six months is respected. It is important to keep the animals at room temperature, which supports microbial degradation and digestive processes in the intestine of the leeches.
Autoren:
F. von Rheinbaben, O. Riebe, J. Köhnlein, S. Werner
Schlüsselwörter:
medizinischer Blutegel, Infektionsrisiko, Haltungsbedingungen
Schlüsselwörter englisch:
medical leeches, risk of infection, housing conditions